Therapeutische Wirksamkeit von Gestalttherapie mit EMDR

Veröffentlicht am 14. März 2025 um 14:05

Gestalttherapie und EMDR- eine kraftvolle Kombination in der Psychotherapie

In der modernen Psychotherapie gibt es eine Vielzahl von Methoden, die unterschiedliche Zugänge zur Behandlung psychischer Belastungen bieten. Zwei besonders effektive Ansätze sind EMDR (Eye Movement Desensitization and Reprocessing) und die Integrative Gestalttherapie. Während EMDR primär zur Verarbeitung traumatischer Erfahrungen eingesetzt wird, konzentriert sich die Gestalttherapie auf das Hier und Jetzt sowie auf die Integration von Emotionen und Körperempfindungen.

Gestalttherapie und EMDR

EMDR ist eine von Francine Shapiro entwickelte Therapiemethode zur Verarbeitung belastender Erlebnisse. Ein zentrales Element ist die bilaterale Stimulation – meist durch geführte Augenbewegungen, aber auch durch taktile Reize (z. B. „Tapping“ am eigenen Körper).

Diese Stimulation hilft dem Gehirn, traumatische Erinnerungen neu zu verarbeiten und emotional zu entlasten. Studien belegen die hohe Wirksamkeit von EMDR, insbesondere in der Behandlung von Posttraumatischen Belastungsstörungen (PTBS) sowie bei Ängsten, Phobien und belastenden Erinnerungen.

 

Die Gestalttherapie wurde in den 1940er Jahren von Fritz und Laura Perls entwickelt. Sie basiert auf einem ganzheitlichen Menschenbild und geht davon aus, dass Wachstum und Heilung durch bewusste Wahrnehmung und Integration der eigenen Erfahrungen möglich sind.

Ein zentrales Prinzip ist das Hier und Jetzt: Anstatt sich ausschließlich mit der Vergangenheit zu beschäftigen, wird der Fokus auf die gegenwärtigen Emotionen, Gedanken und Körperempfindungen gelegt. Durch diesen bewussten Kontakt mit sich selbst können Menschen emotionale Blockaden lösen und authentischer handeln.

 

Warum ergänzen sich EMDR und Gestalttherapie so gut?

Obwohl EMDR und Gestalttherapie aus unterschiedlichen therapeutischen Traditionen stammen, ergänzen sie sich in der Praxis hervorragend. Hier sind einige Gründe dafür:

  • Fokus auf das Hier und Jetzt

Beide Methoden arbeiten mit direkten Erfahrungen in der Gegenwart. Während die Gestalttherapie Klient*innen hilft, sich bewusst mit ihrem Erleben auseinanderzusetzen, ermöglicht EMDR eine effektive Verarbeitung unverarbeiteter Erinnerungen – ohne in alten Mustern stecken zu bleiben.

  • Verarbeitung auf mehreren Ebenen

EMDR konzentriert sich auf die neurobiologische Verarbeitung von Traumata, während die Gestalttherapie eine emotionale und körperorientierte Integration ermöglicht. Durch die Kombination beider Methoden werden sowohl die kognitive, als auch die körperliche und emotionale Ebene miteinbezogen.

  • Förderung von Selbstwahrnehmung und Eigenverantwortung

Gestalttherapie ermutigt Menschen, sich ihrer emotionalen Muster bewusst zu werden und Eigenverantwortung zu übernehmen. EMDR kann dabei helfen, belastende Erinnerungen und Glaubenssätze zu transformieren, sodass nachhaltige Veränderungen möglich werden.

  • Flexibilität und individuelle Anpassung

Die Kombination beider Methoden erlaubt es Therapeut*innen, flexibel auf die Bedürfnisse der Klient*innen einzugehen. EMDR kann gezielt zur Verarbeitung eines spezifischen Traumas eingesetzt werden, während die Gestalttherapie hilft, die daraus gewonnenen Erkenntnisse in den Alltag zu integrieren und neue Handlungsspielräume zu eröffnen.

 

Praxisbeispiel: Kombination von EMDR und Gestalttherapie

Ein Beispiel für die integrative Anwendung beider Methoden könnte folgendermaßen aussehen:

Eine Person, die unter belastenden Kindheitserfahrungen leidet, beginnt mit einer Gestalttherapie, um ihre gegenwärtigen Emotionen in Bezug auf die Vergangenheit zu erkunden. Sobald sie sich ausreichend stabil fühlt, wird EMDR eingesetzt, um die belastenden Erinnerungen gezielt zu verarbeiten und emotionale Belastungen abzubauen.

Nach mehreren EMDR-Sitzungen kehrt man in das gestalttherapeutische Setting zurück, um die gewonnenen Einsichten weiter zu vertiefen und in ihren Alltag zu integrieren.

Durch diese Kombination kann die Person nicht nur alte Traumata aufarbeiten, sondern auch nachhaltige Veränderungen in ihrem emotionalen Erleben und Verhalten bewirken.

 

Mein Fazit

Die Verbindung von EMDR und Gestalttherapie bietet eine äußerst wirksame Kombination für die psychische Heilung.

Ich selbst erlebe die Integration von EMDR in meiner Gestalt-Praxis als äußerst wertvoll und wirksam. Die Kombination dieser beiden Methoden bietet meinen Klient*innen eine tiefgreifende Möglichkeit zur Heilung und persönlichen Entwicklung.